Eine Reise in den Norden Chiles führt Sie zu bizarren Wüsten- und Felsformationen und zu dem größten Salzsee Chiles, dessen kristallisierte Salze wie Schnee in der Wüste glitzern. Sie erleben einsame Lagunen, die als grün-blaue Tupfer in dieser von Brauntönen geprägten Landschaft liegen. Flamingos fliegen geruhsam über die Gewässer und passen sich in perfekter Harmonie der oftmals unwirklich wirkenden Umgebung an. Über 6.000 m hohe Vulkane ragen in den stahlblauen Himmel. Geysire stoßen fauchend ihre Fontänen empor - die Mystik der Landschaft im Norden Chiles wird Sie einfangen.
CHILENISCHE SZENEN
San Pedro de Atacama ist ein staubiges Nest. Freitag abend, gegen sechs. Die Chilenen lassen den Tag in der Bar mit Restaurant bei Juanita am Marktplatz ausklingen. Heißer Wind bläst Sand aus der Wüste in das 1.000-Seelen-Dorf und durch die unbefestigten Straßen San Pedros. Was arbeiten die Menschen hier eigentlich? Kann es hier Felder zu bestellen geben? Knochentrockene Wüste und skurrile Bergformationen soweit das Auge reicht. Eine schwarzhaarige Chilenin, deren Gesichtszüge von ihren indianischen Vorfahren erzählen, schlurft im Zeitlupentempo auf meinen Tisch zu. Schnell bewegen sollte man sich in dieser trockensten Wüste der Welt nicht. Wozu auch. Heute ist ein Tag und morgen auch. Das ist schon seit vielen tausend Jahren so. Und viel hat sich seitdem nicht geändert. Wortlos und mit steinerner Miene stellt mir die Schwarzhaarige mein Bier auf den Tisch und verschwindet genauso gemächlich wieder in der Küche. Neben meinem Tisch liegt ein Hund mit schwarz-weißem Fell träge im Schatten der Arkaden. Auch ihn hat das Leben gelehrt, daß man sich in der Wüste besser nicht viel bewegt. Eine verwitterte Steintafel an der schiefen Hauswand erzählt vom spanischen Eroberer Pedro de Valdivia, der San Pedro gegründet hat. Im 16. Jahrhundert schon ließ er das uralte Steinhaus erbauen. Auch den anderen Häusern rund um den Platz sieht man an, daß sie schon viel Wüstensand an ihren grauen oder lehmfarbenen Mauern ertragen haben. Eine Jesuitenkirche wiegt ihre mächtige Bronzeglocke im heftigen Wind. Innerhalb weniger Augenblicke wird es stockdunkel. Warum geht das in der Wüste nur so schnell? Als ob jemand einfach den Vorhang zuzieht. Einige schwache Glühbirnen verbreiten ein armseliges, gelbes Licht. Kurz vor sieben. Gleich ist es wieder soweit, wie jeden Abend. Und tatsächlich, da kommt es wieder, das Lama. Mit stoischer Ruhe wie alle Lebewesen in San Pedro schlappt es um die Ecke. Keiner weiß, woher es kommt, aber jeden Abend ist es da. Es kennt seinen Weg, hier ist es zuhause. Zielstrebig tappt es in das Restaurant. Ein kurzer Blick in die Runde. Die müden Männer am Tresen sehen dem Lama mit dem braunen Fell und weißen Flecken gelassen zu. Es war gestern schon da und wird auch morgen wiederkommen. Das zottelige Andenkamel zieht weiter zur Küche, aus der die schwarzhaarige Chilenin kommt. Sie legt dem Lama einige Mohrrüben hin und füllt eine Schüssel mit Milch, die das Lama genüßlich schlürft. Die schwarzhaarige Indianerin lächelt.